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"Geld, Zeit und Inhalt sind die wichtigsten Faktoren, die man bei der Ausstellungsgestaltung in Betracht ziehen muss", sagen Martin Lorenz und Lupi Asensio von TwoPoints.Net. Den Namen ihres Büros erklären sie so: "Wir haben nach einem Namen gesucht, der die Funktion von Design erklärt, ohne den Namen mit Bedeutung zu überlasten. Wir kamen auf das Zeichen ":", da es den Menschen mit seiner Aussage verbindet. Nach acht Jahren ist dieser Name aber auch zu einer abstrakten Form geworden. Wir mögen auch die Idee, dass zwei Punkte eine Linie schaffen, welche die einfachste Zeichnung ist, die man sich vorstellen kann. Sie stellt einen Neubeginn dar."


IdN: Könntet ihr uns etwas über eure frühesten Einflüsse erzählen? Wie kamt ihr dazu, Design wertzuschätzen? Wie seid ihr zum Design gekommen?

Martin Lorenz: Mein Vater war Hochschullehrer für Sozialpädagogik und Kulturwissenschaften an der Hochschule in Hildesheim. Er kaufte um die 15 Bücher pro Woche. Wie du dir vorstellen kannst, passten diese nicht in seinen Arbeitsraum. Also füllten sie meinen Raum, den Raum meines Bruders, das Wohnzimmer und den Flur. Zu diesem Zeitpunkt war ich an keinen anderen Büchern interessiert als an meinen Comics. Ich schaute also mehr auf die Buchrücken als in die Bücher hinein, so entdeckte ich die berühmten regenbogenfarbenen Buchrücken, gestaltet von Willy Fleckhaus. Mein Vater hingegen schien nur an dem Inhalt der Bücher interessiert zu sein, nutzte aber das Farbsystem zum Auffinden der Bücher. Dies machte mir schon sehr früh bewusst, das Ästhetik und Inhalt nicht voneinander getrennt werden können und Hand in Hand arbeiten müssen.

Lupi Asensio: Ich werde auch über meinen Vater reden: Heute, wenn ich darüber nachdenke, dann muss er etwas dazu beigetragen haben, dass ich Designerin wurde. Meinem Vater wurde Farbblindheit diagnostiziert, also mussten meine Mutter und ich, wenn wir Kleidung für ihn kauften, darauf achten, dass sie farblich aufeinander abgestimmt war. So konnte er ohne die Farben zu sehen aus seinem Kleiderschrank stets farblich zueinander passende Kleidung auswählen. Dies könnte der Grund sein, warum ich begann, mich für Farbe und Mode zu interessieren. Später, als ich anfing Design zu studieren, traf ich zwei Personen, die besonders wichtig für mich werden würden, Jesús del Hoyo und Sandra Hoffmann.

IdN: Inwieweit ist der Kurator und/oder Künstler in den Design Prozess eingebunden?

ML: Wir hatten immer sehr viel Glück mit den Ausstellungen, die wir gemacht haben. Weder der Kurator noch der Künstler wollten in den Design Prozess eingreifen. Die einzige Einschränkung, die wir erfahren haben, war das Budget.

IdN: Aus eurer professionellen Sicht, was macht gute Ausstellungsgestaltung aus?

ML: Gute Ausstellungsgestaltung, sowie auch gute Gestaltung im gemeinen, muss mit seinem Empfänger, Besucher, Leser oder Kunden kommunizieren. Ein guter Gestalter zieht in Betracht, WER der Empfänger ist und WAS kommuniziert werden muss, bevor er entscheidet WIE kommuniziert wird.

IdN: Ihr sagt, dass eines der Ziele von TwoPoints.Net ist "Arbeiten zu machen die in dieser Art noch nicht zuvor gemacht wurden". Wie haltet ihr das Gleichgewicht zwischen eurem eigenen Stil und der Identität der Ausstellung?

ML: Wir versuchen keinen Stil zu haben. Wir wollen einen neuen Stil für jedes neue Projekt entwickeln, da jedes neue Projekt auch andere Bedürfnisse hat. Die Identität der Ausstellung ist das Resultat ihrer Kommunikation. Das ist was wir mit "Arbeit, die in der Form zuvor noch nicht gemacht wurde" meinen. Wenn das Produkt anders ist, dann muss auch die Kommunikation anders sein.

LA: Ich denke, David Bowie sagte so etwas wie, "Einen Stil zu haben ist langweilig". Wir arbeiten beide intuitiv und konzeptuell. Für uns ist jedes Projekt zu seinem Zeitpunkt das wichtigste Projekt, das wir bearbeiten. Es sagt uns, was und wie wir es zu tun haben.

IdN: Welcher Aspekt der Ausstellungsgestaltung ist der interessanteste/wichtigste Aspekt für euch?

ML: Der interessanteste Aspekt der Ausstellungsgestaltung sind die vielen Möglichkeiten, die man im Vergleich zur grafischen Gestaltung hat. Eine Ausstellung ist eine umfassende Erfahrung, die alle deine Sinne berührt. Es ist aufregend, eine solche Welt kreieren zu dürfen.

Der wichtigste Aspekt der Ausstellungsgestaltung ist wahrscheinlich das Leiten des Besuchers. Was sollte er zuerst sehen, was danach, wie schnell sollte er sich von Punkt A zu Punkt B bewegen, was kann er in welchem Moment wie aufnehmen...

LA: Wie Martin schon sagte, wenn du Ausstellungen gestaltest, bist du in der Lage, die Kommunikation in verschiedenen Arten und Intensitäten zu kontrollieren und dadurch die Erfahrung des Projektes für den Besucher zu verbessern.

IdN: Ausstellungsdesign beinhaltet verschiedene Medien, von 2D Grafiken bis 3D Produkten, von Interior Design bis zu Informationsgrafik. Wie schätzt ihr die Beziehung zwischen den verschiedenen Medien ein?

LA: Der Inhalt gibt vor, welches Medium benutzt werden sollte. Wenn du zum Beispiel eine Botschaft vermitteln musst, die nicht in einem Bild erzählt werden kann, braucht sie eine Sequenz, und wenn du eine Sequenz hast, dann brauchst du einen zusätzlichen Erzähler, und vielleicht reicht eine Sequenz von Bildern nicht aus, sondern du brauchst einen Film. Wie ich schon erwähnte, das Projekt sagt dir, was und wie du arbeiten musst.

IdN: Könntet ihr den kreativen Arbeitsprozess einer eurer Projekte beschreiben?

ML: Die Ausstellung, die wir für das Buch Super Holland Design gestaltet haben, begann mit einer einfachen, aber interessanten Idee. Da wir das Buch zuerst gestaltet haben, schien es eine logische Konsequenz zu sein, die Ausstellung in der gleichen Art und Weise zu gestalten, in der wir auch das Buch gestaltet haben. Wir öffneten ein InDesign Dokument in der Skala 1:10 des Ausstellungsraumes, maßen die Anzahl der Spalten, die wir brauchen würden, die Spaltenabstände, die Schriftgröße, setzten eine Informationsleitlinie auf Augenhöhe und begannen an dieser Linie den Inhalt des Buches auszurichten. Wir lieben insbesondere das Detail der zerschnittenen Bilder in den Ecken der Räume. In dem Buch zerschneiden wir Bilder, lassen sie auf einer Seite anfangen und auf der nächsten weiterlaufen, um die Lektüre dynamischer zu gestalten. Unsere Übersetzung auf den dreidimensionalen Raum war, die Bilder um die Ecken laufen zu lassen.

IdN: An welchen Projekten arbeitet ihr gerade und was sind eure Zukunftspläne?

ML: Wir haben gerade begonnen, an einem dicken, über 500-seitigen Buch über aufsteigende Grafik Design Talente aus Deutschland zu arbeiten. Wir wurden von dem spanischen Verlag Actar beauftragt, dieses Buch herauszugeben und zu gestalten. Unser Ziel ist es, auf einem internationalen Markt junge Designer zu präsentieren, von denen viele noch nicht gehört haben, die aber die Zukunft des deutschen Grafik Designs sind. Es wird Neuland - The Future Of German Graphic Design heißen.

LA: Ein anderes Projekt, auf welches wir uns sehr freuen, ist ein Corporate Identity für einen Musiker, dessen Musik wir lieben.

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IdN Magazine
Volume 15 Number 3
2008
The Exhibition Issue