Dieses Buch ließ uns Neuland betreten. Als der spanische Verlag Actar uns den Vorschlag unterbreitete, ein Buch über deutsches Grafikdesign zu machen, waren wir einerseits begeistert: Wir haben in Deutschland gelebt, studiert, gearbeitet und sind immer noch sehr mit diesem Land verbunden, auch wenn wir seit dem Jahr 2005 in Barcelona leben. Andererseits waren wir sehr skeptisch, ob dieses Vorhaben überhaupt möglich ist. Einige grundlegende Fragen stellten sich uns.
In der internationalen Buchlandschaft gibt es zahlreiche Erscheinungen über holländisches, englisches, skandinavisches oder Schweizer Grafikdesign und nur wenige über zeitgenössisches deutsches Grafikdesign.
Woran liegt das? Ist das zeitgenössische deutsche Grafikdesign demjenigen anderer Länder nicht ebenbürtig oder lassen sich die deutschen Talente einfach schlechter entdecken?
Eine weitere Frage war, ob man überhaupt noch vom deutschen Grafikdesign sprechen kann in einer Zeit, in der ein Italiener im Stil des japanischen Manga zeichnet, ein Engländer sich am deutschen Design der 70er Jahre orientiert und ein Holländer die Schweizer Rastertypografie neu interpretiert, eine Zeit in der deutsche Grafikdesigner im Ausland und ausländische Grafikdesigner in Deutschland leben.
Ist es also möglich, zeitgenössisches deutsches Grafikdesign zu definieren? Uns war von Anfang an klar, dass wir dieses Projekt als eine offene Fragestellung ansehen, die wir Deutschen im Ausland sowie Ausländern in Deutschland unterbreiten wollen. Ob deren Arbeiten einem deutschen Stil folgen, überlassen wir dem Urteil des Lesers.
Die Auswahl der Grafikdesigner war ein sehr aufwändiger Prozess, da wir den Anspruch hatten, möglichst viele junge, noch unbekannte Designer zu finden. Unsere Quellen waren zahlreiche Blogs, Magazine, Empfehlungen, aber auch die Fachbereichsleiter von Design Hochschulen in verschiedenen europäischen Ländern. Nach drei Monaten hatten wir über 700 Portfolios gesichtet, die sich durch mehrere Auswahlverfahren auf 50 Grafikdesigner und Grafikdesignbüros reduzierten. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei allen bedanken, die uns Material zugesandt haben.
In der Auswahl konnten wir einen bedeutenden Wandel im deutschen Grafikdesign beobachten. Nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten des Designers erleben einen neuen Höhepunkt, sondern auch die Positionierung des Designers als Autor des Produkts weist den Weg in eine interessante Zukunft für das deutsche Grafikdesign. Diese aufstrebende Generation bricht mit den kulturellen und geografischen Grenzen und begibt sich damit in einen internationalen Kontext.
Hier bestellen: Neuland - The Future of German Graphic Design (English)
Neuland - The Future of German Graphic Design (Deutsch)