Bitte zeig mir
mit Texten auf
Das spanische Design Magazin Visual schrieb einen tollen Artikel über uns. Aus Dankbarkeit haben wir einen Teil unseres Gartens, sowie die Tiere, die in diesem leben, auf deren Titelseite verewigt.
Mit offenen Augen
Leidenschaft ohne Schrille, Strenge ohne Dogmatismus. Martin Lorenz, geboren in Hannover in Niedersachsen, studierte Design in Darmstadt - die Stadt, die neben München als das deutsche Zentrum des Jugendstils gilt, ein künstlerischer Stil, der dem französischen Art Nouveau und dem katalanischen Modernismus ähnlich ist - und Holland. Er lebte mehrere Jahre in Frankfurt, wo er zusammen mit Eike König den Hort bildete. Gemeinsam entwickelten sie hochwertige Design Projekte, die ihnen den verdienten Ruf als einer der besten Vertreter des neuen deutschen Designs einbrachte. Jetzt in Barcelona und zusammen mit der Designern Lupi Asensio, zeigen sie uns ihr neues Design Büro und ihre neuesten Arbeiten.
Wir lernten Martin Lorenz beim ForumLaus im Jahr 2005 kennen, wo er mit Eike König die Arbeiten des Horts vorstellte. Unter dem Namen Hort erwarben sie den Ruf als einer der besten Vertreter des neuen deutschen Grafik Designs. Ihr Portfolio ist voll von interessanten Arbeiten für die Musik-Industrie. Martin Lorenz Diskurs weist auf die Bedeutung der Systeme in Corporate Identities und der Rolle des Designers geprägt von Strenge und Methodik hin. Parallel zu den rein kommerziellen Arbeiten hat Lorenz ein spannendes selbstinitiiertes Projekt ins Leben gerufen, von dem er mit Leidenschaft spricht: Die „The One Weekend Book Series“, in dem er zusammen mit einem immer wechselnden Gast Künstler achtundvierzig Stunden Zeit hat, um eine Stadt in einem visuellen Tagebuch ohne die Hilfe von Computern zu dokumentieren.
Zwei Jahre später treffen wir ihn in der Mitte von Barcelona wieder, nur ein paar Straßen von Las Ramblas entfernt, in einem der Designer Bienenstöcke, die in den letzten Jahren für Aufsehen in der Stadt gesorgt haben, große Wohnungen, die von Design Büros und Designern geteilt werden, IKEA-Regale als Raumteiler, gemeinsame Küche und Bad...
Martin Lorenz und Lupi Asensio präsentieren sich als TwoPoints.Net. "Obwohl Lupi und ich die wichtigsten Motoren sind", sagt Lorenz, "gibt es viele Menschen, die an unserem Projekt beteiligt sind, und es ist uns wichtig, dass die Idee des Netzwerks bestehen bleibt. Darum endet unser Name nicht in .com, sondern in .net." Das Büro besteht aus einer kleinen Struktur von vier Menschen, funktioniert aber als größeres Büro, dank seines leistungsstarken Netzwerkes. Die Firma unterteilt sich in drei Geschäftsbereiche: "DesignBy.TwoPoints.Net", gestaltet für verschiedenste Kunden, "ProjectsBy.TwoPoints.Net" dient selbstinitiierten Projekten, wie die "The One Weekend Book Series", und "WorkshopsBy.TwoPoints.Net", welches bald sein Debüt mit der Organisation von Seminaren macht. Darüber hinaus, als ob dies nicht genug wäre, unterrichten beide an zwei verschiedenen Design-Schulen ihrer neuen Stadt, arbeiten mit dem japanischen Reiseführer "A New City Guide" zusammen und haben sogar Zeit um den dänischen Designer Kasper Riisholt (Typisk) an einem Wochenende einzuladen, ihn in der Herstellung einer Tortilla de Patatas zu unterrichten und die Erfahrung in Form eines Posters zu dokumentieren, welches man in der Buchhandlung Ras, nur wenige Gehminuten vom Museum für Zeitgenössische Kunst in Barcelona, erwerben kann.
In diesem Stadtteil enger Gassen sehen sie die Welt durch offene Augen und Geister, für sie gleicht die Weltkarte einer U-Bahnkarte. An einem Tag sind sie in Zürich, eingeladen von der Zeitschrift Soda, und in ein paar Wochen in Sapporo (Japan), um eine Ausstellung zu eröffnen. Ein Blick in ihren Kalender dieses Jahres, welches erst begonnen hat, penibel auf ihrer Webseite festgehalten, offenbart sich (streichen) uns ein Bild hoher Aktivität, das fast schon frenetisch ist, und im starken Gegensatz zu dem etwas schüchternen und langsam sprechenden Lorenz steht.
Auf die Frage, was der Unterschied zwischen dem Design Verständnis in Spanien, Deutschland und Holland ist, antwortet er ohne zu zögern: "Design ist hier eng mit der Werbung verbunden," mit der "kreativen Idee" als Beginn jeden Designs. Als Designer sind wir ständig gezwungen, gegen mehr oder weniger beschränkte Herangehensweisen zu arbeiten. Auch in den Schulen gibt es eine Tendenz, Corporate Identity nur als ein Symbol für Firmen zu betrachten, das lediglich auf verschiedene Medien angewandt werden muss. Dies ist ein sehr beschränktes Verständnis von Corporate Design, denn die Kreation eines visuellen Systems und dessen Implementierung erfordern eine viel umfassendere Sicht."
In einem nahezu perfekten Spanisch fordert Lorenz die Rolle des Designers über die Grenzen der Grafik hinweg zu definieren: "Wir Designer arbeiten mit sehr unterschiedlichen Medien und Sprachen: ein Plakat, etwas audiovisuelle, ein dreidimensionales Objekt ... Bei der Konstruktion einer visuellen Identität eines Unternehmens oder einer Institution geht es nicht darum, alle Applikationen auf eine mehr oder weniger ähnliche Art und Weise zu bespielen. Ich habe viele Platten gestaltet, bin aber kein Plattendesigner. Einige Labels haben verstanden, dass es keinen Sinn macht, das Cover, das Videoclip, die Einladung für ein Konzert, etc. unabhängig von einander zu gestalten. Sie sehen ein, dass, wenn man die einzelnen Applikationen als Teil eines großen Systems betrachtet, sie mit den gleichen Mitteln eine wesentlich effektivere Kommunikation erzielen.
„Visuelle Systeme für visuelle Identitäten von Unternehmen und Institutionen“ ist genau das Thema, dem sich Lorenz mit seiner Dissertation an der Universität von Barcelona widmet. In seiner sanften Art, so sanft wie es der deutsche Akzent zulässt, erläutert er seine gehaltvollen Denkansätze, weit entfernt von den Vorstellungen veralteter Corporate Identity Manuals und der alten Leier des "Designs als Mehrwert", den Politiker und Verantwortliche der Institutionen zur Förderung von Design in Spanien propagieren. Mit einer soliden Ausbildung und einem beeindruckenden beruflichen Hintergrund im Gepäck, reflektiert Lorenz über Kommunikation und Design im aktuellen Kontext und die Auswirkungen, die diese auf die Lehrpläne der Schulen haben sollten, mit klaren Vorstellungen beschreibt er die Notwendigkeit, die akademische Welt an die neue Zeit anzupassen.
Beim Beenden des Interviews finde ich in einer kostenlosen Zeitung einen Artikel von zwei Seiten über das Ende der Herrschaft der Logos. Die Journalistin schreibt von "flüssigen Identitäten", um sich auf die Firmen zu beziehen, die ihre Identität nicht durch die bloße Wiederholung ihrer Marke konstruieren, sondern durch eine Vielfalt an Bildern, die ein großes Ganzes ergeben. Flüssige Identitäten... Der Paradigmenwandel ist Realität geworden und hat den offiziellen und den akademischen Diskurs erreicht. Die Botschaft der neuen Ära für das Design und die Designer ist immer klarer: "be water, my friend!"
-
Veröffentlicht in: Visual, Magazine de Diseño, Creatividad Gráfica y Comunicació. Número 126, Año XIX.
Geschrieben von Beatriz San Román
Share: Facebook | Twitter